Bewertung der Bedeutung von Meticillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) in Tieren und Lebensmitteln für die öffentliche Gesundheit
Olivier Andreoletti, Herbert Budka, Sava Buncic, Pierre Colin, John D Collins, Aline De
Koeijer, John Griffin, Arie Havelaar, James Hope, Günter Klein, Hilde Kruse, Simone
Magnino, Antonio, Martínez López, James McLauchlin, Christophe Nguyen-The, Karsten
Noeckler, Birgit Noerrung, Miguel Prieto Maradona, Terence Roberts, Ivar Vågsholm,
Emmanuel Vanopdenbosch
Acknowledgment
The European Food Safety Authority wishes to thank the members of the Working Group for
the preparation of this opinion: F. Aarestrup (representing the CRL for antimicrobial
resistance), B. Catry (representing the SAGAM group from EMEA), A. Havelaar, J. Hartung,
N. Leonard, J. Lindsay, J. McLauchlin (Chair of WG), D. Monnet (representing ECDC), C.
Torres, J. Wagenaar, C. Willis, W. Witte.
No abstract available
Zusammenfassung
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ersuchte sein Gremium für biologische Gefahren um die Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens zur Bewertung der Bedeutung von Meticillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) für die öffentliche Gesundheit.
Es gibt verschiedene Stadien der Wechselwirkung zwischen S. aureus und seinem Wirt: Infektion, Trägerschaft bzw. Besiedelung und Kontaminierung. Meticillin-resistenter S. aureus (MRSA) kann bei gesunden Menschen persistierend oder vorübergehend vorkommen, und eine Besiedelung ist der Hauptrisikofaktor für eine Infektion. Die Infektion kann leicht bis schwer sein und verläuft in manchen Fällen tödlich. In vielen europäischen Ländern sind MRSA inzwischen eine Hauptursache von im Krankenhaus erworbenen Infektionen, wobei es hinsichtlich der Prävalenz und der Kontrollbestimmungen große Unterschiede gibt. Bei einer begrenzten Anzahl von MRSA-Abstammungslinien gibt es eine Tendenz, an bestimmten geografischen Orten zu überwiegen. CC398 ist die MRSA-Abstammungslinie, die am häufigsten mit einer asymptomatischen Trägerschaft bei Tieren in Intensivhaltung, die zur Lebensmittelerzeugung verwendet werden, verbunden ist. MRSA besitzen häufig Enterotoxingene, allerdings gibt es nur einen einzigen Bericht über eine Lebensmittelvergiftung infolge von MRSA.
Hinsichtlich der Frage, welches Risiko MRSA in Verbindung mit Tieren, die zur Lebensmittelerzeugung verwendet werden, für die menschliche Gesundheit darstellt, gelangte das Gremium zu folgenden Schluss:
MRSA in Verbindung mit Nutztieren (Livestock-associated MRSA, LA-MRSA) repräsentieren nur einen geringen Anteil der Gesamtzahl an Meldungen von MRSA-Infektionen in der EU. Dieser Anteil unterscheidet sich jedoch zwischen den Mitgliedstaaten. In manchen Ländern mit niedriger Prävalenz von MRSA-Infektionen beim Menschen leistet CC298 einen Hauptbeitrag zur MRSA-Gesamtbelastung. In Ländern mit einer hohen Gesamtprävalenz von MRSA unter der Bevölkerung gilt CC398 als für die öffentliche Gesundheit weniger bedeutsam. CC398 wurde, wenngleich selten, mit tief sitzenden Infektionen der Haut und Weichteile, Lungenentzündung und Septikämie beim Menschen in Verbindung gebracht. Wo die Prävalenz von CC398 unter Tieren, die für die Lebensmittelerzeugung verwendet werden, hoch ist, besteht für die Personen, die in Kontakt mit diesen lebenden Tieren sind (vor allem Landwirte und Tierärzte und deren Familien) ein höheres Risiko einer Besiedelung und Infektion als für die allgemeine Bevölkerung. Das Risiko unterschiedlicher Mengen von MRSA (Dosisantwort) für die menschliche Gesundheit während der Trägerschaft bei Tieren (und in der Umwelt) ist unbekannt.
Hinsichtlich der Frage nach der Bedeutung von Lebensmitteln, Tieren, die für die Lebensmittelerzeugung verwendet werden, und von Heimtieren hinsichtlich des Risikos einer Infektion des Menschen und/oder von lebensmittelbedingten Erkrankungen, die von MRSA sowohl unter gemeinschaftlichen Lebens- als auch unter Krankenhausbedingungen verursacht werden, gelangte das Gremium zu folgendem Schluss:
Lebensmittel, die möglicherweise mit MRSA (einschließlich CC398) kontaminiert sind: Verzehr und Handhabung kontaminierter Lebensmittel sind ein mögliches Übertragungsvehikel. Es gibt derzeit keine Beweise für ein erhöhtes Risiko einer Besiedelung oder Infektion von Menschen nach Kontakt mit oder Verzehr von mit CC398 kontaminierten Lebensmitteln, weder in der Gemeinschaft noch im Krankenhaus. MRSA (einschließlich CC398) kann in oder auf Tieren in das Schlachthaus gelangen und kommt auf rohem Fleisch vor. Es kann zwar Teil der endemischen Flora des Schlachthauses werden, aber das Infektionsrisiko für Schlachthausarbeiter und Personen, die das Fleisch handhaben, scheint ausgehend von den aktuell vorliegenden Daten niedrig zu sein.
Wo die Prävalenz von CC398 unter Tieren, die für die Lebensmittelerzeugung verwendet werden, hoch ist, besteht für Personen, die in Kontakt mit diesen lebenden Tieren sind (vor allem Landwirte und Tierärzte und deren Familien) ein Risiko einer Besiedelung und anschließenden Infektion. Die Möglichkeit, dass Personen, die mit CC398 besiedelt sind, zur Verbreitung von MRSA in Krankenhäusern beitragen, scheint geringer zu sein als bei mit Krankenhäusern assoziierten MRSA-Stämmen.
MRSA-Infektionen bei Heimtieren werden immer zahlreicher gemeldet und in fast allen Fällen sind es dieselben infektionsverursachenden Stämme, die in der jeweiligen geografischen Region auch häufig in Krankenhäusern vorkommen. Es ist davon auszugehen, dass der Mensch MRSA an Haustiere weitergibt, und diese können dann sowohl in der Gemeinschaft als auch in Gesundheitsversorgungseinrichtungen ein Reservoir für de Menschen darstellen. Pferde können vom Menschen oder von anderen tierischen Quellen in ihrer Umgebung mit MRSA besiedelt und/oder infiziert werden. Es gibt sporadische Meldungen von Erkrankungen beim Menschen, üblicherweise geringfügige Hautinfektionen, die auf Pferde als Quelle zurückzuführen sind.
Hinsichtlich der Frage, welche Tierart (und falls zutreffend, welche von dieser Tierart stammende Lebensmittel) das größte Risiko für den Menschen darstellt, gelangte das Gremium zu folgendem Schluss:
Die primären Reservoirs von CC398 in betroffenen Ländern sind Schweine, Kälber und Broiler-Geflügel. CC398 wurde auch in Haustieren und Pferden in landwirtschaftlichen Betrieben mit besiedeltem Nutzvieh gefunden. Inzwischen wurde MRSA bei Hunden, Katzen und Pferden gemeldet und sporadisch bei einer Vielzahl anderer Heimtiere. Spezifische Studien zur Untersuchung des relativen Risikos verschiedener Kleintiere und Pferde als Quelle von Infektionen oder Besiedelungen beim Menschen gibt es nicht.
Hinsichtlich der Frage, welche Methoden für die Isolierung und molekulare Typbestimmung von MRSA tierischer Herkunft am besten geeignet sind, gelangte das Gremium zu folgendem Schluss:
Es gibt eine große Vielzahl von Methoden für die Isolierung von MRSA. MRSA können anhand von Methoden zur Phänotypbestimmung (Prüfung der Empfindlichkeit gegenüber antimikrobiellen Substanzen) oder Genotypbestimmung identifiziert werden. Zur Diagnose einer Infektion werden direkt aus einer Läsion entnommene Proben, Biopsate oder Blutkulturen auf nicht-selektiven und selektiven Medien angezüchtet. Zum Nachweis einer Trägerschaft oder Kontaminierung werden Nasenabstriche (bei Einzeltieren), Staub (bei Herden) und Lebensmittelproben verwendet. Die Empfindlichkeit kann gesteigert werden, indem selektive Flüssiganreicherungsmethoden verwendet werden. Aufgrund der breiten Übereinstimmung mit Ergebnissen aus der MLST und anderen Typisierungsmethoden eignet sich die spa-Typisierung bei der primären Typisierung zum Nachweis von Abstammungslinien.
Das Gremium empfiehlt, dass weitere Bemühungen durchgeführt werden sollten, um die Methoden für die Probengewinnung, den Nachweis und die Quantifizierung von MRSA bei einer Trägerschaft beim Menschen und bei Tieren sowie zum Nachweis von MRSA als Lebensmittelkontaminante und in der Umwelt, einschließlich aus Staub in der Luft und auf Oberflächen, zu harmonisieren.
Hinsichtlich der Frage, welche Kontrollmöglichkeiten (vor und nach der Gewinnung bzw. Ernte) in Betracht gezogen werden können, um das Risiko einer Übertragung von mit Lebensmitteln und Tieren assoziiertem MRSA für den Menschen zu minimieren, gelangte das Gremium zu folgendem Schluss:
Überprüfung und Überwachung an sich sind keine Kontrolloptionen, aber für die Festlegung von Kontrollstrategien und für die Bewertung ihrer Wirksamkeit von grundlegender Wichtigkeit. Die Überwachung von MRSA beim Menschen, einschließlich der spa-Typisierung einer repräsentativen Anzahl von Isolaten, ist erforderlich, um das Auftreten verschiedener Stämme von MRSA, einschließlich CC398, beim Menschen zu überprüfen.
Das Gremium wies darauf hin, dass die regelmäßige Überprüfung von Tieren in Intensivhaltung in allen Mitgliedstaaten Aufschluss über Tendenzen bei der Entwicklung dieser Epidemie liefern würde, und empfahl die Durchführung einer systematischen Überwachung und Überprüfung von MRSA beim Menschen und von Tieren, die für die Lebensmittelerzeugung verwendet werden, um Tendenzen bei der Ausbreitung und Entwicklung zoonotisch erworbener MRSA zu identifizieren.
Die Bewegung/Wanderung oder der Transport von Tieren und der Kontakt zwischen Tieren ist wahrscheinlich ein wichtiger Faktor für die Übertragung von MRSA. In Ermangelung spezifischer Studien zu Ausbreitung und Persistenz von MRSA, dürften die allgemeinen Kontrolloptionen in landwirtschaftlichen Betrieben, in Schlachthäusern und bei der Lebensmittelerzeugung für MSSA und MRSA dieselben sein und die Verfahren der guten Tierhaltungspraxis, HACCP, GHP und GMP umfassen. Überprüfung und anschließende Einschränkung der Bewegung/Wanderung oder des Transportes könnten die Übertragung verringern. Da die wichtigsten Übertragungswege auf den Menschen durch direkten Kontakt mit lebenden Tieren und deren Umgebung erfolgen, sind die Kontrolloptionen vor der Gewinnung/Ernte die wirksamsten.
Das Management von LA-MRSA-Trägern unter dem Personal und den Patienten in Krankenhäusern und anderen Gesundheitsversorgungseinrichten kann auf die gleiche Weise erfolgen wie bei HA- und CA-MRSA-Trägern, nämlich durch Screening- und Infektionskontrollmaßnahmen. Die Strategien für das Screening (zusammen mit den zu treffenden Maßnahmen nach Erhalt deren Ergebnisse) unterscheiden sich zwischen MS erheblich. Eine Vorgehensweise der Suche und Vernichtung scheint am wirksamsten zu sein, jedoch ist ihre Umsetzung problematisch, wenn MRSA bereits vorhanden ist. Das Gremium empfahl, dass Protokolle für das Screening bei Einlieferung in Krankenhäuser auf Personen erweitert werden sollten, die mit Nutzvieh in Intensivhaltung in Kontakt sind.
Die Übertragung von MRSA von Heimtieren und Pferden auf den Menschen ist schwer zu kontrollieren. Wichtig sind grundlegende Hygienemaßnahmen, Händewaschen vor und nach dem Kontakt und, wenn möglich, das Vermeiden des direkten Kontaktes mit Nasensekret, Speichel und Wunden. Entkolonisierung dieser Tiere ist eine mögliche Kontrolloption, jedoch fehlt es an kontrollierten Studien.
Das Gremium empfahl die Durchführung von Interventionsstudien, um die Wirksamkeit von Kontrollmaßnahmen zur Reduzierung der Träger von CC398 unter Nutzvieh zu bewerten.
Solche Studien sollten langfristig und über aufeinander folgende Erzeugungszyklen angelegt sein. Darüber hinaus sollten die Faktoren untersucht werden, welche für die Wirtsspezifität, die Persistenz in verschiedenen Umgebungen, Übertragungswege (einschließlich der Übertragung durch die Luft) und Vektoren untersucht werden. Das Gremium empfahl außerdem die Durchführung von Interventionsstudien, um die Wirksamkeit von Kontrollmaßnahmen zur Reduzierung der Träger von MRSA bei Heimtieren und Pferden und den Personen, die mit diesen Tieren in Kontakt sind, zu bewerten.
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