Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit und Tierschutz und Auswirkungen auf die Umwelt von mittels somatischem Zellkerntransfer geklonten Tieren[1] und deren Nachkommen und aus solchen Tieren gewonnenen Erzeugnissen[2]
Sue Barlow, Andrew Chesson, John D. Collins, Albert Flynn, Anthony Hardy, Klaus-Dieter
Jany, Ada Knaap, Harry Kuiper, Pierre Le Neindre, Jan Schans, Josef Schlatter, Vittorio
Silano, Staffan Skerfving and Philippe Vannier.
Acknowledgment
The European Food Safety Authority wishes to thank the members of the Working Group for
the preparation of this opinion: Henrik Callesen, Giuliano D’Agnolo, Andras Dinnyés, Wenche
Farstad, Jörg Hartung, Louis-Marie Houdebine, Peter Jinman, Pierre Le Neindre, David
Morton, Heiner Niemann, Jean-Paul Renard, Larisa Rudenko, Josef Schlatter, Vittorio Silano
(WG Chair) and Eckhard Wolf.
EFSA would also wish to thank the participants of the drafting group that prepared the final
draft of the opinion before its adoption; Ada Knaap, Vittorio Silano, Pierre Le Neindre, John
Collins and Jörg Hartung.
No abstract available
Zusammenfassung
In 2007 wurde die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) von der Europäischen Kommission um die Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens über Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Tierschutz und Auswirkungen auf die Umwelt von mithilfe der Technik des somatischen Zellkerntransfers (SCNT) erhaltenen Tierklonen, deren Nachkommen und der aus solchen Tieren gewonnenen Erzeugnissen gebeten. In Anbetracht der multidisziplinären Art dieses Themas wurde diese Aufgabe dem Wissenschaftlichen Ausschuss der EFSA übertragen. Die ethischen Aspekte des Klonens liegen außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der EFSA, und die Europäische Kommission ersuchte die Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien um die Erstellung eines Gutachtens über die ethischen Aspekte des Klonens[3].
Anders als bei der geschlechtlichen Fortpflanzung, bei der das befruchtete Ei totipotent ist (d. h. es besitzt die Eigenschaft, sich zu allen Zellen des resultierenden Organismus weiter zu entwickeln), muss beim SCNT der aktivierte Embryo, der eine differenzierte somatische Zelle enthält, zunächst auf Totipotenz „zurückgesetzt“ werden, damit er anschließend denselben Differenzierungsweg wie ein befruchteter Embryo durchlaufen und die embryonale und fetale Entwicklung abschließen kann. Dieser als „Reprogrammierung“ bezeichnete Vorgang verändert die biochemischen Signale, mit denen die Genexpression gesteuert wird. Schlägt die epigenetische Reprogrammierung fehl, was in gewissem Umfang eintreten kann, ergeben sich möglicherweise ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit der Klone und Entwicklungsanomalien. Die Erzeugung gesunder Klone ist der Hauptindikator für das erfolgreiche Funktionieren epigenetischer Reprogrammierung.
Mehrere Tierarten wurden mittels SCNT geklont. Eine Risikobewertung konnte gestützt auf den aktuellen Wissensstand und die vorhandene Datenlage nur für Klone von Rindern und Schweinen und deren Nachkommen durchgeführt werden.
Aufgrund der eingeschränkten Anzahl der vorliegenden Studien, der geringen untersuchten Fallzahlen und dem Fehlen einer einheitlichen Herangehensweise bei der Berücksichtigung aller für dieses Gutachten relevanten Gesichtspunkte ergeben sich Unwägbarkeiten bei der Risikobewertung.
Dieses Gutachten befasst sich mit Aspekten der Tiergesundheit in Zusammenhang mit den Ersatzmuttertieren, von Klonen und deren Nachkommen. Was die Ersatzmuttertiere anbelangte, wurde bei Rindern und Schweinen ein Anstieg der Fehlgeburten verzeichnet, und vor allem bei Rindern kam es zu einem Anstieg der Häufigkeit von Hydrops und Geburtsstörungen. Aus diesem Grund und wegen des signifikant erhöhten Geburtsgewichts des Nachwuchses (Large Offset-Syndrom) sind Kaiserschnitte bei Kühen, die einen Klon tragen, häufiger als bei herkömmlichen Trächtigkeiten. Diese Auswirkungen waren auch bei Ersatzmuttertieren festzustellen, deren Trächtigkeit mit anderen Technologien der künstlichen Befruchtung als dem SCNT herbeigeführt worden war, jedoch mit viel niedrigerer Häufigkeit.
Bei einem erheblichen Anteil der Klone, bei Rindern hauptsächlich im juvenilen Alter und bei Schweinen perinatal, wurden ungünstige Einflüsse festgestellt, die häufig schwerer Art waren und tödlich verliefen. Die meisten Klone, die die perinatale Phase überleben, sind normal und gesund, was mittels physiologischer Messungen sowie mit Verhaltensstudien und klinischen Untersuchungen bestätigt werden konnte. Bei den geschlechtlich fortpflanzungsfähigen Nachkommen von Rinder- oder Schweineklonen gibt es keine Anzeichen für unerwünschte Auswirkungen. Allerdings sind keine Untersuchungen über die gesamte natürliche Lebensspanne von Klonen und deren Nachkommenschaft hinweg durchgeführt worden.
Die aktuelle Bewertung des Tierschutzes wurde überwiegend aus Daten zur Tiergesundheit extrapoliert. Der Tierschutz der Ersatzmuttertiere und eines wesentlichen Anteils der Klone erwies sich infolge der beobachteten ungünstigen gesundheitlichen Auswirkungen als beeinträchtigt.
Zur Bewertung der Sicherheit von Kuhmilch und Fleisch von Rinder- und Schweineklonen oder deren Nachkommen wurden folgende Aspekte berücksichtigt: Daten zur Zusammensetzung und zum Nährwert, die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins neuartiger Bestandteile, der Gesundheitszustand des Tiers, vorliegende Daten zu Toxizität und Allergenität. Ausgehend vom derzeitigen Wissensstand und in Anbetracht der Tatsache, dass die primäre DNA-Sequenz der Klone unverändert ist, gibt es im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit keine Hinweise auf das Vorhandensein von Unterschieden zwischen Lebensmittelerzeugnissen von gesunden Rinder- und Schweineklonen und deren Nachkommenschaft im Vergleich zu denen von gesunden, herkömmlich gezüchteten Tieren.
Es gibt gegenwärtig keine Anzeichen dafür, dass Klone oder deren Nachkommen im Vergleich zu klassisch gezüchteten Tieren eine neue oder zusätzliche Umweltgefährdung darstellen.
Am Ende des Gutachtens wird eine Reihe von Empfehlungen erteilt.
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