Gutachten des Wissenschaftlichen Gremiums für biologische Gefahren (BIOHAZ) über die Bewertung der Infektiositätswahrscheinlichkeit in SRM von Rindern verschiedener Altersgruppen, abgeschätzt durch Rückberechnungsmodellierung
Olivier Andreoletti, Herbert Budka, Sava Buncic, Pierre Colin, John D Collins,
Aline De Koeijer, John Griffin, Arie Havelaar, James Hope, Günter Klein,
Hilde Kruse, Simone Magnino, Antonio Martínez López, James McLauchlin,
Christophe Nguyen-The, Karsten Noeckler, Birgit Noerrung, Miguel Prieto
Maradona, Terence Roberts, Ivar Vågsholm, Emmanuel Vanopdenbosch.
Acknowledgment
The Chairman, rapporteur and members of the working group are acknowledged for
their valuable contribution to this mandate. The members of the working group are:
Sheila Bird, Herbert Budka (Chairman), Aline de Koeijer, Christian Ducrot,
Martin H. Groschup, Dagmar Heim, James Hope, Ernst Lücker, Mo Salman,
Emmanuel Vanopdenbosch (Rapporteur), Gerald Wells and John Wilesmith.
No abstract available
Zusammenfassung
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurde beauftragt, ein Gutachten über die Bewertung der Infektiositätswahrscheinlichkeit in SRM von infizierten Rindern verschiedener Altersgruppen zu erstellen, die anhand einer Rückberechnungsmodellierung abgeschätzt wurde, wie in „Ansatz 4“ des Anhangs zum Gutachten vom 28. April 2005 des Wissenschaftlichen BIOHAZ-Gremiums über die Bewertung der Altersgrenze bei Rindern im Hinblick auf die Entfernung bestimmter spezifizierter Risikomaterialien (SRM) angegeben.
Nach wiederholten, ausführlichen wissenschaftlichen Diskussionen schien es, dass ein wissenschaftlicher Konsens über die Rückberechnungsmodellierung nicht erzielt werden könne. Diese Möglichkeit war bereits in dem früheren Gutachten als eine der Einschränkungen des Ansatzes erwähnt worden. Daher wurde die Bewertung der Infektiositätswahrscheinlichkeit in SRM von Rindern verschiedener Altersgruppen auf Daten zur experimentellen Pathogenese und Studien zu Dosis/Inkubationszeitraum sowie auf die beschreibende BSE-Epidemiologie im Hinblick auf Risikopopulationen, Infektionsalter und Nachweisalter aufgrund klinischer und aktiver Überwachung gestützt.
Experimentelle Studien über die Verteilung der BSE-Infektiosität bei Rindern im Hinblick auf den Zeitraum nach der Exposition wurden im Vereinigten Königreich und kürzlich auch in Deutschland durchgeführt. Vollständige Daten aus sequenziellen Tötungspathogenesestudien und Zusatzdaten aus Studien über Befallsquoten sind nunmehr verfügbar, um als Basis für eine überarbeitete Berechnung der Inkubationszeiträume gemäß niedrigen (1 g frisches Hirnmaterial aus klinischen Fällen) und hohen (100 g) Infektiositätsdosen zu dienen. Darüber hinaus wurden erste Daten aus der deutschen Pathogenesestudie verfügbar, in der die hohe Dosis eingesetzt wurde. In diesen Studien wurde der Nachweis des die Krankheit auslösenden Prion-Proteins (PrPTSE) im Gewebe als Stellvertreter, jedoch nicht als perfekter Ersatz für die Infektiosität, verwendet.
In Anbetracht der Ergebnisse ist das Gremium der Auffassung, dass sein früheres Gutachten vom 28. April 2005 nach wie vor gültig ist. In diesem war das Gremium zu dem Schluss gelangt, dass die wahrscheinlich nachweisbare Infektiosität im ZNS nach etwa ¾ der Inkubationszeit auftritt. Die Situation hat sich weder im Hinblick auf die aus Lymphgewebe zusammengesetzten, noch auf die Lymphgewebe enthaltenden Gewebe geändert, die als SRM bezeichnet werden.
Jetzt liegen vollständige Pathogenesedaten aus dem experimentellen Szenario mit niedriger Dosis vor, das der Situation im Feld wahrscheinlich eher entspricht als eine Exposition im Feld mit einer hohen Dosis an BSE-Infektiosität. Wird PrPTSE/Infektiosität wie im ZNS bei 75 % des Inkubationszeitraums vorhanden modelliert, wie dies im vorherigen Gutachten der Fall war, lässt sich vorhersagen, dass die Infektiosität im ZNS von Rindern im Alter von 33 Monaten unter der Nachweisgrenze läge oder noch nicht vorhanden wäre. Bei der Interpretation der Bedeutung der experimentellen Daten sind jedoch einige Punkte zu bedenken, u. a. das Auftreten von mindestens einem mit BSE-infizierten Fall im Feld bei nach dem Jahr 2000 geborenen Tieren in EU-Kohorten, die jünger sind als 33 Monate, und das Problem, das ein nicht fehlender Nachweis von PrPTSE nicht garantiert, dass das Gewebe tatsächlich nicht infiziert ist.
In den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten entwickelt sich die BSE-Epidemie rückläufig, was mit einer sinkenden Exposition zusammenhängt. Dennoch gibt es einen guten Grund, um Mitgliedstaaten nach gesonderten Betrachtungen oder als Einzelfälle zu gruppieren. Die drei jüngsten von 22 BSE-Infektionsfällen bei nach 2000 geborenen Rindern bis heute waren 32, 36 und 39 Monate alt. Ein weiterer positiv getesteter Fall war ein Rind im gemeldeten Alter von 25 Monaten, wobei jedoch keine Sicherheit bezüglich dieses Alters besteht. Die Anzahl der mit BSE infizierten Rinder wird wahrscheinlich weiter sinken. Es ist nunmehr offensichtlich, dass die durch aktive Überwachung entdeckten Fälle näher am klinischen Ausbruch sein können als zuvor geschätzt.
BSE, Specified Risk Material (SRM)

