Gutachten des Wissenschaftlichen Gremiums für diätetische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA) auf Ersuchen der Kommission über die Beurteilung von allergenen Lebensmitteln zwecks Etikettierung

doi:10.2903/j.efsa.2004.32
  EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies Panel Members Wulf Becker, Daniel Brasseur, Jean-Louis Bresson, Albert Flynn, Alan A. Jackson, Pagona Lagiou, Geltrude Mingrone, Bevan Moseley, Andreu Palou, Hildegard Przyrembel, Seppo Salminen, Stephan Strobel and Hendrik van Loveren. Acknowledgment The Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies wishes to thank Martinus Løvik, Elide Pastorello, Martin Stern, and Jean-Michel Wal for their contributions to the draft opinion.
Type: Opinion of the Scientific Committee/Scientific Panel Question number: EFSA-Q-2003-016 Adopted: 19 February 2004 Published: 25 March 2004 Last updated: 31 January 2007. This version replaces the previous one/s.
Abstract

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Summary

Zusammenfassung

Bei den unerwünschten Reaktionen auf Lebensmittel gibt es immunvermittelte und nicht immunvermittelte Reaktionen. Lebensmittelallergien umfassen immunvermittelte Reaktionen auf Lebensmittel, die entweder durch IgE-Antikörper oder durch andere immunologische Reaktionskaskaden vermittelt werden. Lebensmittelunverträglichkeiten umfassen nicht immunvermittelte Reaktionen, die von Enzymmangelzuständen, pharmakologischen Reaktionen oder, wie in den meisten Fällen, von unbekannten Mechanismen abhängen.

Die EU-Rechtsvorschriften für die Etikettierung von Lebensmitteln sind unlängst geändert worden, um sicherzustellen, dass Abweichungen von der zwingend vorgeschriebenen Deklaration von Lebensmittelzutaten nicht für solche Zutaten gelten, die Lebensmittelallergien und/oder Lebenmittelunverträglichkeiten auslösen können (Anhang IIIa der Richtlinie 2003/89/EG ). Dies betrifft glutenhaltige Getreide, Krustentiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Soja, Milch und Milcherzeugnisse einschließlich Laktose, Schalenfrüchte, Sesamsamen, Sellerie, Senf und Sulfit in einer Konzentration von 10 mg/kg oder mehr.

In Anbetracht der jüngsten wissenschaftlichen Entwicklungen auf diesem Gebiet und des früheren Gutachtens des Wissenschaftlichen Lebenmittelausschusses (SCF) über “Unerwünschte Reaktionen auf Lebensmittel und Lebensmittelzutaten” von 1995 wird die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ersucht, die Kommission zu Folgendem zu beraten: 1) die wissenschaftliche Grundlage für die Identifizierung von Lebensmitteln, Lebensmittelbestandteilen und Lebensmittelzutaten, die Lebensmittelallergien und Lebensmittelunverträglichkeiten auslösen, zwecks Kennzeichnung von Lebensmitteln, und 2) die Möglichkeit der Bestimmung von Schwellenwerten oder der Identifizierung von anderen Faktoren (einschließlich der Lebensmittelverarbeitung), die sicherstellen, dass ein Lebensmittelbestandteil oder eine Lebensmittelzutat keine unerwünschten Reaktionen mehr auslösen kann.

Allgemein kann festgestellt werden, dass alle in der Liste genannten Allergene und daraus hergestellten Erzeugnisse gesundheitsschädliche Wirkungen hervorrufen können, und in einigen Fällen kann der Kontakt damit tödlich sein. Dies sind die häufigsten Lebensmittelallergene, die im Allgemeinen durch die Verarbeitung der Lebensmittel nicht eliminiert werden und eine allergische Reaktion bei einem allergischen Verbraucher auslösen
können, wenn sie Lebensmitteln zugesetzt werden. Einige dieser Allergene sind in ganz Europa sehr weit verbreitet, während andere, wie z.B. Senf und Sellerie, auf bestimmte geographische Regionen beschränkt sind. Diese Liste sollte in Anbetracht der sich ändernden Lebensmittelpraktiken und des Auftauchens neuer klinischer Beobachtungen und sonstiger wissenschaftlicher Erkenntnisse regelmäßig überprüft werden.

Es besteht eine hohe Variabilität in der Empfindlichkeit zwischen verschiedenen sensibilisierten Menschen, was die Allergendosis betrifft, die erforderlich ist, um eine unerwünschte Wirkung auszulösen. Außerdem werden hochempfindliche Menschen aus ethischen Gründen oftmals nicht in angemessener Weise getestet, um Schwellenwerte festzustellen. Deshalb reichen die vorliegenden Informationen nicht aus, um eindeutige Schlussfolgerungen bezüglich der höchsten Dosis, die keine unerwünschte Wirkung auslösen würde, zu ziehen. Somit ist gegenwärtig kein System der Risikobewertung auf der Grundlage von Höchstdosen, bei denen keine unerwünschten Wirkungen zu beobachten sind (NOAEL), anwendbar.

Die Verarbeitung kann die allergenen Eigenschaften der Lebensmittel beeinflussen, genauso wie die Lebensmittelgrundsubstanz, in der die Allergene dem Verbraucher dargeboten werden. Zudem können Menschen, die an Allergien gegen ein und dasselbe Lebensmittel leiden, auf unterschiedliche Bestandteile in diesem Lebensmittel reagieren. Die vorliegenden Daten deuten nicht darauf hin, dass die Lebensmittelverarbeitung in vorhersagbarer Weise die allergenen Eigenschaften beeinflusst, und auch der Einfluss der Grundsubstanz ist nicht vorhersagbar.

Um die Risiken für den Verbraucher auf ein Mindestmaß zu reduzieren, sind Analysen von Lebensmitteln auf Spuren von potenziellen Lebensmittelallergenen wünschenswert. Zwar kommen sensitive Testsysteme für die Analyse einiger Allergene in Lebensmitteln mehr und mehr in Gebrauch und sind im Handel erhältlich, doch es bestehen auch weiterhin große Probleme in Bezug auf Faktoren wie z.B.: unzureichende Extraktion, Nachweisgrenzen außerhalb des Bereichs der klinischen Sensitivität, ungenügende Spezifität aufgrund von Kreuzreaktionen und mangelnde Reproduzierbarkeit von Labor zu Labor.

Die Möglichkeit, dass bestimmte Derivate der in Anhang IIIa der Richtlinie aufgeführten Lebensmittelallergene wahrscheinlich keine allergische Reaktion auslösen, muss von Fall zu Fall beurteilt werden.

Keywords

Opinion of the Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies on a request from the Commission relating to the evaluation of allergenic foods for labelling purposes