Wissenschaftliches Gutachten zum Q-Fieber
Panel members AHAW: Anette Bøtner, Donald Broom, Marcus G. Doherr, Mariano Domingo, Jörg Hartung, Linda Keeling, Frank Koenen, Simon More, David Morton, Pascal Oltenacu, Albert Osterhaus, Fulvio Salati, Mo Salman, Moez Sanaa, James M. Sharp, Jan A. Stegeman, Endre Szücs, Hans-H. Thulke, Philippe Vannier, John Webster and Martin Wierup.
Panel members BIOHAZ: Olivier Andreoletti, Herbert Budka, Sava Buncic, John D. Collins, John Griffin, Arie Havelaar, James Hope, Günter Klein, Tine Hald, Winy Messens, James McLauchlin, Christine Mueller-Graf, Christophe Nguyen-Thé, Birgit Noerrung, Miguel Prieto Maradona, Luisa Peixe, Antonia Ricci, John Sofos, John Threlfall, Ivar Vågsholm, Emmanuel Vanopdenbosch.
Acknowledgment
The AHAW Panel wishes to thank the members of the Working Group on Q fever for the preparation of this opinion: Simon More (Chair), Jan Arend Stegeman, Annie Rodolakis, Hendrik-Jan Roest, Piet Vellema, Richard Thiéry, Heinrich Neubauer, Wim van der Hoek, Katharina Staerk, Howard Needham (ECDC) and the EFSA staff members Ana Afonso, Milen Georgiev and Jane Richardson for the support provided to this EFSA scientific output. Thank you also for the valuable information made available by the Zoonoses task force, the EFSA Animal Health and Welfare network, Prof. S. Martinov and I. Yordanov.This opinion was the result of a fruitful collaboration with ECDC in relation to public health aspects. The BIOHAZ Panel wishes to thank the EFSA staff member Bart Goossens for the support provided to Chapter 4 of this EFSA scientific output.
Contact
ahaw@efsa.europa.eu
Following a request from the European Commission, a scientific opinion was prepared by EFSA’s Animal Health and Welfare Panel to determine the magnitude, distribution, impact and significance of infection and disease in domestic ruminants and humans, risk factors for the maintenance (in domestic ruminant populations) and spillover (from these populations to humans) of Coxiella burnetii (the causative agent of Q fever), and control options in domestic ruminant populations. A range of approaches were used, including an assessment of monitoring/surveillance data, the development of a simple conceptual model, a critical review of available literature, and several country case studies. Control options for C. burnetii infection in small ruminants were qualitatively assessed. Infection is endemic in domestic ruminants in most, if not all, EU member states, however, disease is rare and impact is limited. In the EU, Q fever is a zoonotic disease with limited public health impact, except under certain epidemiological circumstances and for particular risk groups. Human cases are often associated with proximity to small ruminants (particularly at parturition or during abortions) and dry, windy weather. Currently, there is no clear evidence of an association between bacterial genotypes/isolates and virulence. A number of longer-term options to control C. burnetii infection in domestic ruminants were identified; these should be considered in those situations where the public health risk is considered unacceptable. Some additional options were not considered sustainable for long-term control, but may have a role in the face of an outbreak. Persistent environmental contamination may confound animal-based control efforts. Vaccination should be considered a long-term control option, noting that effectiveness may not be observed in the short-term. Antibiotic treatment of animals is not recommended. There is no conclusive evidence that the consumption of milk and milk products containing C. burnetii has resulted in clinical Q fever in humans.
© European Food Safety Authority, 2010
Zusammenfassung
Die jüngsten Entwicklungen in der EU, insbesondere der Anstieg der bestätigten Fälle von Q-Fieber bei Menschen in den Niederlanden, erfordern besondere Beachtung im Hinblick auf die Risiken, die vom Q-Fieber für Menschen und Tiere ausgehen. Die Europäische Kommission ersuchte um weitergehenden wissenschaftlichen Rat und eine Risikobewertung in Bezug auf Q-Fieber bei Tieren. Das Mandat umfasste drei Aufgabenstellungen:
- die Bedeutung des Auftretens von Q-Fieber in den EU-Mitgliedstaaten zu bewerten, um das Ausmaß und die Verbreitung der Krankheit und der Infektion (mit dem Schwerpunkt auf landwirtschaftlichen Nutztieren und Menschen) besser zu verstehen;
- die Risikofaktoren für das Auftreten und die Persistenz von Q-Fieber in der Tierhaltung und die damit einhergehenden Risiken für Menschen zu bewerten; sowie
- die Wirksamkeit und Effizienz von Möglichkeiten der Eindämmung der Krankheit zu bewerten.
Zur Erfüllung des Mandats wurde vom EFSA-Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz mit Unterstützung durch das EFSA-Gremium für biologische Gefahren (BIOHAZ-Gremium) und die Referate für Zoonosen und Bewertungsmethodik sowie in enger Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ein Gutachten erstellt.
Bei der Erstellung dieses wissenschaftlichen Gutachtens wurden verschiedene Ansätze verfolgt. Eine Bewertung des Ausmaßes und der Verbreitung der Infektion und der Erkrankung bei Hauswiederkäuern und bei Menschen wurde nach Prüfung von diagnostischen Methoden für die Coxiella-burnetii-Infektion (den Erreger des Q-Fiebers) und der Überwachung auf C.-burnetii-Infektionen in verschiedenen Mitgliedstaaten der Europäischen Union vorgenommen. Die Auswirkungen und die Bedeutung wurden gestützt auf Sachverständigenmeinungen bewertet. Mit verschiedenen Methoden wurden die Risikofaktoren für die Aufrechterhaltung der C.-burnetii-Infektion bei Hauswiederkäuern und das Übergreifen der Infektion von Hauswiederkäuern auf Menschen aufgeklärt, einschließlich der Entwicklung eines einfachen konzeptionellen Modells, einer kritischen Übersicht der verfügbaren Literatur und einiger landesspezifischer Fallstudien. Die Kontrollmassnahmen der C.-burnetii-Infektion in Hauswiederkäuerbeständen wurden auf der Grundlage der verfügbaren Daten über einzelne Kontrollmassnahmen beurteilt, nachdem ein allgemeiner Rahmen für die Kontrolle von Infektionskrankheiten entwickelt wurde.
Infektionen mit Coxiella burnetii (dem Erreger des Q-Fiebers) sind bei Hauswiederkäuern (Rindern, Schafen, Ziegen) in den meisten, wenn nicht sogar in allen EU-Mitgliedstaaten endemisch. Obwohl die Infektion bei Hauswiederkäuern häufig vorkommt, tritt die Erkrankung selbst nur selten auf. Die Auswirkungen der C.-burnetii-Infektion auf die Gesundheit von Hauswiederkäuern in den EU-Mitgliedstaaten sind alles in allem begrenzt. Bei Menschen kommen C.-burnetii-Infektionen in den meisten, wenn nicht gar in allen EU-Mitgliedstaaten vor. Q-Fieber ist zwar eine Zoonose mit begrenzten Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit in der EU, doch unter bestimmten epidemiologischen Gegebenheiten und für einzelne Risikogruppen können die gesundheitlichen Auswirkungen von Bedeutung sein. Die Krankheitsbelastung durch Q-Fieber bei Menschen ist bislang noch nicht ermittelt worden.
Es erscheint wahrscheinlich, dass sich die C.-burnetii-Infektion bei Hauswiederkäuern in einem breiten Spektrum von Haltungssystemen aufrechterhalten kann. Es besteht eine erhebliche Unsicherheit über die relative Bedeutung von Risikofaktoren für die Aufrechterhaltung der C.-burnetii-Infektion in Hauswiederkäuerbeständen und das Übergreifen der Infektion von Hauswiederkäuern auf Menschen. Dennoch könnte die Aufrechterhaltung der C.-burnetii-Infektion auf Bauernhöfen durch chronisch infizierte Tiere, andere tierische Infektionsreservoire, Zecken, Haltungspraktiken, die eine herdeninterne Übertragung und/oder eine Umweltkontamination fördern, begünstigt werden. Es gibt derzeit keine klaren Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen bakteriellen Genotypen/Isolaten und der Virulenz. Die häufigsten Risikofaktoren für die Übertragung der Infektion von Hauswiederkäuern auf Menschen in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten sind unter anderem eine Verbindung zwischen Infektionen bei Menschen und Kleinwiederkäuern (Schafen und Ziegen), ein Hinweis auf die Nähe zwischen Tieren und Menschen, insbesondere im Zusammenhang mit Geburten bei Tieren (und Fehlgeburten im Falle von Ziegen), sowie bestimmte klimatische Bedingungen, insbesondere trockenes, windiges Wetter. Bei Menschen erhöht sich das Risiko einer Exposition gegenüber C. burnetii entweder nach engem Kontakt mit Tieren, die mit C. burnetii infiziert sind, oder nach umgebungsbedingter Exposition (infolge eines erhöhten Vorkommens von C. burnetii in der weiteren Umgebung nach Freisetzung und Ausstreuung durch infizierte Wirtstiere). Es gibt keine schlüssigen Erkenntnisse, die für einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Dichte von Tieren und/oder landwirtschaftlichen Betrieben und einem Übergreifen von C. burnetii von infizierten Bauernhöfen auf Menschen sprechen. Die Faktoren, welche zu Ausbrüchen von Q-Fieber in der menschlichen Bevölkerung führen, sind noch nicht abschließend geklärt.
In Bezug auf die Krankheitsbekämpfung konzentriert sich das Gutachten auf Bekämpfungsoptionen bei Hauswiederkäuern und die Wirksamkeit dieser Optionen, um die herdeninterne Übertragung, die Ausbreitung zwischen Herden (jeweils in Hauswiederkäuerpopulationen) und/oder das Übergreifen der Infektion von Hauswiederkäuern auf Menschen zu verringern. Bei fast allen Bekämpfungsmöglichkeiten sind die Schätzungen der Wirksamkeit der jeweiligen Maßnahmen mit einer mittleren bis hohen Unsicherheit behaftet, da nur wenige veröffentlichte einschlägige Informationen verfügbar sind. Die verschiedenen Bekämpfungsmethoden müssten wahrscheinlich kombiniert eingesetzt werden. Die bewerteten Bekämpfungsoptionen sind unterschiedlich nachhaltig. Es wurden eine Reihe von langfristigen Bekämpfungsoptionen, darunter die vorbeugende Impfung, das Gülle- und Stallmistmanagement, Veränderungen von landwirtschaftlichen Betriebsmerkmalen, das Wollschurmanagement, ein gesonderter Ablamm-/Abkitzbereich, die Entfernung von Risikomaterial, ein Besucherverbot, die Bekämpfung anderer tierischer Reservoire und die Zeckenbekämpfung, identifiziert. Alle bis auf die letzten beiden betreffen speziell Kleinwiederkäuer. Diese Optionen werden nach ihrer durch Sachverständige bewerteten Wirksamkeit, das Überspringen von Hauswiederkäuern auf Menschen zu verringern, eingestuft. Einige Optionen wurden als nicht nachhaltig im Sinne der langfristigen Bekämpfung eingeschätzt, könnten jedoch bei Ausbrüchen von Nutzen sein, wie etwa die Keulung trächtiger Tiere, ein befristetes Zuchtverbot, die Ausmerzung infizierter und infektionsverdächtiger Bestände und Sanierung der betroffenen Betriebe („Stamping out“), die Identifizierung und Keulung von Ausscheidern, die Kontrolle von Tierverbringungen und der Stillstand. Alle diese Optionen betreffen spezifisch Kleinwiederkäuer. C. burnetii ist in der Umwelt hochresistent. Deshalb ist eine persistierende Umweltkontamination besorgniserregend. Eine Impfung kann sowohl zur Verringerung des Risikos zukünftiger Ausbrüche (vorbeugende Impfung) als auch im Falle eines Ausbruchs (Impfung im Ausbruchsfall) eingesetzt werden, wobei darauf hingewiesen wird, dass die vorbeugende Impfung wirksamer als die Impfung im Ausbruchsfall, die Phase-I-Impfung wirksamer als die Phase-II-Impfung, die Impfung bei nicht infizierten Tieren wirksamer als bei infizierten Tieren ist, die Impfung bei trächtigen Tieren nicht wirksam zu sein scheint und kurzfristig möglicherweise keine Wirkung zu beobachten ist.
Das Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz empfahl eine harmonisierte Erfassung von Feld- und Labordaten über die C.-burnetii-Infektion bei Tieren in EU-Mitgliedstaaten, um einen Vergleich der zeitlichen und landesspezifischen Prävalenz-/Inzidenzschätzungen zu ermöglichen. Darüber hinaus müssen Systeme zur schnellen Identifizierung und Meldung von Q-Fieber-Ausbrüchen (gehäuft auftretenden Fehlgeburten) bei Tieren verstärkt werden. Ein frühzeitiger Informationsaustausch zwischen Tierärzten und ihren Kollegen im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens in Bezug auf mögliche Ereignisse mit zoonotischem Potenzial, einschließlich Q-Fieber, sollte gefördert werden. Weitere Untersuchungen zur Abschätzung der Krankheitsbelastung durch Q-Fieber bei Menschen sind erforderlich. In Prävalenz- und Inzidenzstudien bei Hauswiederkäuern sollte der Schwerpunkt auf Kleinwiederkäuer anstatt auf Rinder gelegt werden, um ein klareres Bild des Expositionsrisikos für Menschen zu erhalten. Weitere Untersuchungen und Forschungsarbeiten sind nötig, um den Zusammenhang zwischen Genotyp und Virulenz, die molekularen Grundlagen der Virulenz sowie die Beziehung zwischen Mausmodellen und Virulenzstudien bei Hauswiederkäuern aufzuklären, die Wirtsspezifität verschiedener Bakterienisolate zu bestimmen, Faktoren zu identifizieren, die die Aufrechterhaltung der Infektion beeinflussen, einschließlich eines besseren Verständnisses der Übertragungswege, die Menge der Bakterien, die unter verschiedenen Bedingungen ausgeschieden werden, zu quantifizieren, das Überleben von C. burnetii in der Umwelt zu quantifizieren, die Bedeutung der Umweltkontamination und klimatischer Faktoren für das Übergreifen der Infektion von Tieren auf Menschen aufzuklären und die relative Bedeutung von landwirtschaftlicher Betriebsdichte und Betriebsgröße für die Aufrechterhaltung und das Übergreifen der Infektion aufzuklären. Zukünftige Untersuchungen sind erforderlich, um die Wirksamkeit von Bekämpfungsoptionen für die C.-burnetii-Infektion in Hauswiederkäuerpopulationen objektiv zu bewerten. Die Bewertung sollte sich auf einschlägige epidemiologische Parameter, wie zum Beispiel die Raten der herdeninternen Übertragung, der Ausbreitung zwischen Herden und des Übergreifens von Tierbeständen auf Menschen, konzentrieren. Die Bekämpfungsoptionen sollten grundsätzlich kombiniert eingesetzt werden, da bei der herdeninternen Übertragung, der Ausbreitung zwischen Herden und dem Übergreifen auf Menschen wahrscheinlich jeweils mehr als ein Übertragungsweg eine Rolle spielt und wahrscheinlich keine der Bekämpfungsmöglichkeiten für sich allein die herdeninterne Übertragung, die Ausbreitung von Herde zu Herde und das Übergreifen auf Menschen vollständig eindämmt. Langfristigere Maßnahmen zur Bekämpfung der C.-burnetii-Infektion bei Hauswiederkäuern sollten in Situationen in Betracht gezogen werden, in denen die Gefahr für die öffentliche Gesundheit als unannehmbar betrachtet wird. Bekämpfungsoptionen, deren Wirksamkeit in der Verringerung des Übergreifens auf Menschen als hoch oder mittelhoch bewertet wurde, sind die vorbeugende Impfung, ein angemessenes Gülle- und Stallmistmanagement, Änderungen landwirtschaftlicher Betriebsmerkmale, das Wollschurmanagement, ein gesonderter Ablamm-/Abkitzbereich, die Entfernung von Risikomaterial und ein Besucherverbot. Maßnahmen zur Vermeidung eines engen Kontaktes zwischen Menschen und Kleinwiederkäuern, insbesondere um die Zeit des Ablammens/Abkitzens herum, dürften zweckmäßigerweise zu einer Verringerung des Übergreifens von Tierbeständen auf Menschen beitragen. Es ist nötig, das Bewusstsein bei Landwirten und Tierärzten für die C.-burnetii-Infektion bei Nutzwiederkäuern, einschließlich der Risikofaktoren für das Übergreifen von Hauswiederkäuerbeständen auf Menschen, zu schärfen. Kurzfristige Bekämpfungsoptionen, wie z. B. die Keulung trächtiger Tiere, ein befristetes Zuchtverbot, die Ausmerzung infizierter und infektionsverdächtiger Bestände und Sanierung der betroffenen Betriebe („Stamping out“), die Identifizierung und Keulung von Ausscheidern, die Kontrolle von Tierverbringungen und der Stillstand, könnten die Ausscheidung des Erregers durch infizierte Tiere reduzieren. Es sollten jedoch andere Möglichkeiten (einschließlich vorbeugender Impfungen, Gülle- und Stallmistmanagement, Wollschurmanagement, gesonderte Ablamm-/Abkitzbereiche, Entfernung von Risikomaterial) in Erwägung gezogen werden, um die Exposition von Menschen durch Umweltkontamination zu verringern. Die Impfung sollte als langfristige Bekämpfungsoption in Betracht gezogen werden. Zur besseren Bewertung der Impfstoffwirksamkeit wird empfohlen, Feld- und Versuchsdaten zu sammeln, um unser Verständnis der Epidemiologie der C.-burnetii-Infektion in und zwischen infizierten Herden sowohl vor als auch nach einer Impfung zu verbessern. Eine antibiotische Behandlung vermag weder das Ausmaß noch die Dauer der Bakterienausscheidung in Hauswiederkäuerbeständen wesentlich zu verringern. Deshalb kann der Einsatz von Antibiotika nicht empfohlen werden.
Die weite Verbreitung von C. burnetii in lebensmittelliefernden Tieren und das Vorkommen des Bakteriums in der Milchversorgung wirft Fragen nach der Rolle von Lebensmitteln als Vehikel für die Übertragung dieses Zoonosebakteriums auf Menschen auf. C.-burnetii-Infektionen bei beruflich oder anderweitig exponierten Menschen sind hauptsächlich auf die Inhalation infizierter Aerosole und weniger auf den Verzehr von verseuchten Lebensmitteln (wie z. B. Milchprodukte, Fleisch) zurückzuführen. C. burnetii wird jedoch während der Laktationsperiode unterschiedlich lange in der Milch infizierter Tiere (Rinder, Schafe und Ziegen) ausgeschieden, unabhängig davon, ob diese Tiere klinische Krankheitszeichen zeigen oder nicht, und zusätzlich kann die Milch durch fäkale Materialien oder durch Infektionsherde in Tieren während der Peripartal- und/oder Laktationsphase mit C. burnetii kontaminiert werden. Der Verzehr von Rohmilch und Rohmilcherzeugnissen stellt ein relativ höheres Risiko der Exposition von Menschen gegenüber C. burnetii dar als der Verzehr von Milch und Milchprodukten aus wärmebehandelter Milch. Es gibt epidemiologische Hinweise darauf, dass der Verzehr von Milch und/oder Milchprodukten, die C. burnetii enthalten, mit einer Serokonversion bei Menschen verbunden war. Es gibt jedoch keine überzeugenden Belege dafür, dass der Verzehr von Milch und Milchprodukten, die C. burnetii enthalten, zu klinischem Q-Fieber bei Menschen geführt hat.
Dieses wissenschaftliche Gutachten wurde am 27. April 2010 vom Wissenschaftlichen Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW-Gremium) angenommen. Das Kapitel 4 (über Fragen der Lebensmittelsicherheit) und die dazugehörigen Schlussfolgerungen wurden am 22. April 2010 vom Wissenschaftlichen Gremium für biologische Gefahren (BIOHAZ-Gremium) angenommen.
Q fever, EU, Coxiella burnetii, domestic ruminants, public health, risk factors, control options

