Gutachten des Wissenschaftlichen Gremiums für Zusatzstoffe, Erzeugnisse und Stoffe in der Tierernährung (FEEDAP) auf Ersuchen der Kommission über die Verwendung von Jod in Futtermitteln
Frage Nr.: EFSA-Q-2003-058
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Zusammenfassung
Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement für Menschen und Tiere. Es ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone, welche die Zellaktivität regulieren und dadurch vielfache Funktionen ausüben. Jodmangel beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit, die Entwicklung des Gehirns und der Nachkommen sowie das Wachstum. Heutzutage ist ein klinisch evidenter Jodmangel aufgrund der Ergänzung von Futtermitteln bei Tieren recht selten.
Die Europäische Kommission hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ersucht, den physiologischen Jodbedarf der verschiedenen in Richtlinie 70/524/EWG genannten Tierarten zu beurteilen und die Kommission über die möglichen nachteiligen Auswirkungen von Jod – in den gemäß Richtlinie 70/524/EWG derzeit zulässigen Mengen (4, 20 und 10 mg kg für Pferde, Fische bzw. alle anderen Tierarten) – auf die Gesundheit von Tier und Mensch bzw. auf die Umwelt zu beraten.
Der Jodbedarf von Tieren variiert zwischen 0,1 und 1,1 mg kg Futtermittel, wobei der Wert für Katzen höher liegt (bis zu 2 mg kg Futtermittel). Innerhalb einer Tierart wird der Bedarf von den physiologischen Anforderungen durch Wachstum, Fortpflanzung oder Laktation und auch von Ernährungsfaktoren (z. B. Goitrogenen) beeinflusst. In den meisten Fällen ist eine Ergänzung der Tagesration mit Jod erforderlich, da pflanzliche Futtermittel nur wenig Jod enthalten.
Auf Grundlage der begrenzten verfügbaren Daten werden die folgenden mit der Nahrung aufgenommenen Höchstmengen an Jod als verträglich erachtet: 3 mg kg Futtermittel bei Pferden, 5 mg kg Futtermittel bei Legehennen, mehr als 60 mg kg Futtermittel bei Zuchtfisch, 4 mg kg Futtermittel bei Hunden und 6 mg kg Futtermittel bei Katzen. Die Jodverträglichkeit von Schweinen und Fischen liegt weit über den EU-Vorschriften. Die Verträglichkeitswerte (vorgeschlagenen oberen Grenzwerte) entsprechen dem Drei- bis Zehnfachen des Bedarfs, wodurch potenzielle goitrogene Substanzen im Futter genügend kompensiert werden können. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich der sichere obere Grenzwert für Milchkühe, Kälber, Masthühner, Truthühner, Schafe, Ziegen und Kaninchen nicht bestimmen.
Eine höhere Jodzufuhr über die Nahrung führt zu einer verstärkten Jodausscheidung – hauptsächlich über den Harn, aber auch über Milch und Eier – sowie in weitaus geringerem Umfang (außer bei Fischen) zu einer Anreicherung im Körper. Unter den Lebensmitteln von Landtieren weisen Milch und Eier die höchsten Jodkonzentrationen auf. Jod in der Milch stammt aus Futtermitteln und verschiedenen anderen Quellen (vor allem Desinfektionsmitteln).
Alle verfügbaren Daten über Jodkonzentrationen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs sowie die geschätzten über die Nahrung aufgenommenen Mengen in Europa lassen nicht auf einen Zusammenhang zwischen den derzeit über einen Futterzusatz zugeführten Joddosen und den Risiken einer übermäßigen Aufnahme von Jod beim Menschen schließen. Die dem FEEDAP-Gremium vorliegenden Informationen deuten außerdem darauf hin, dass die Futtermittelhersteller die zulässigen Höchstwerte nicht voll ausschöpfen.
Berechnungen, die unter Annahme eines Worst-Case-Szenarios für den Verzehr von Milch und Eiern auf der Grundlage der derzeit zulässigen Höchstmengen an Jod in Futtermitteln durchgeführt wurden, haben jedoch ergeben, dass der Höchstgrenzwert an Jod für Erwachsene und Jugendliche überschritten werden könnte. Durch Senkung der Jodkonzentration auf höchstens 4 mg kg Alleinfuttermittel für Milchkühe und Legehennen würde ein zufrieden stellender Sicherheitspuffer für den Verzehr von Milch und Eiern erreicht werden. Bei Zuchtfischen führt eine Nahrungsergänzung in der empfohlenen Höchstmenge (20 mg Jod kg) immer noch zu einer geringeren Gewebekonzentration als bei frei lebenden Meeresfischen.
Das FEEDAP-Gremium betont, dass mit Jod angereicherte Futtermittel nicht die einzige und möglicherweise auch nicht die Hauptquelle von Jod in der menschlichen Ernährung darstellen. Jodiertes Speisesalz, Nahrungsergänzungsmittel (einschließlich jodreiche Algenprodukte), Jodtabletten und einige jodreiche Getränke können alle zur Gesamtaufnahme von Jod beitragen.
Jod in Futtermitteln gelangt über die direkte Ausscheidung von Kot und Harn auf Weiden oder die Verteilung von Dung und Gülle in die Umwelt. Die daraus resultierende Umweltkonzentration liegt weit unter der natürlichen Grundkonzentration und ein Umweltrisiko wird daher nicht erwartet.
Abschließend unterstreicht das FEEDAP-Gremium die Notwendigkeit weiterer, aktualisierter Daten über den Jodbedarf und die Jodverträglichkeit bei Tieren sowie die tatsächliche Auswirkung von Jodzusätzen in Futtermitteln auf die über die Nahrung aufgenommene Gesamtmenge an Jod beim Menschen.
Anmerkung : Die englische Zusammenfassung ist der verbindliche Text.
Letzte Aktualisierung: 21 Februar 2005
